Start Rund um die Schule Impressionen vom Jakobsweg in Wort und Bild
Impressionen vom Jakobsweg in Wort und Bild PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Schüler der E-Phase 2016/17   
Montag, den 11. September 2017 um 08:54 Uhr

Im Juni 2017 fuhren 20 Schülerinnen und Schüler aus der E-Phase der Rheingauschule unter der Leitung von Frau Sachs-Bockelmann nach Galicien, um gemeinsam auf dem Jakobsweg zu gehen, die autochthone Kultur kennen zu lernen und die spanische Sprache zu pflegen. Hier finden sich Ausschnitte aus den Reisetagebüchern der Teilnehmer sowie eine Vielzahl von Fotos, die einen Eindruck von dieser Fahrt vermitteln.santiago 17 03

1. Tag – Freitag, der 22.06.2017
Unsere Wanderung startete in Sarria, 113 km von Santiago de Compostela entfernt.

Ausgeruht und munter begann um 8:00 Uhr unser Morgen. Von dem Kloster aus, in dem wir die Nacht verbrachten, sind wir zu einem Dorfkaffee zum Frühstücken gelaufen. Mit Croissants und frischem Orangensaft wurden wir dort in Empfang genommen. Nach unserer morgendlichen Besprechung ging es dann endlich los. Unser Ziel war das 21,6 km entfernte Portomarin. Wir marschierten meist über steinige Wege, durch Felder oder auch viel durch Wald. Asphaltierte Strecken waren selten.

Wir starteten als gemeinsame Gruppe, fanden uns dann relativ schnell in kleineren Grüppchen wieder und haben auf diese Weise uns gegenseitig an unser Schritttempo angepasst. Ganz vorne und ganz hinten war jeweils ein Lehrer, damit auch niemand verloren geht. Wir haben immer nach einer gewissen Kilometeranzahl eine Pause gemacht und gemeinsam gepicknickt. Das Wetter war sehr schön an diesem Tag und sehr angenehm zum Laufen. Die Zeit verging schnell und wir hatten viel Zeit um uns gegenseitig kennenzulernen, ebenso haben wir auch immer wieder andere Leute auf dem Jakobsweg kennengelernt.

Eine Besonderheit war es, unterwegs in Bars oder Cafés Stempel für unseren Pilgerpass zu sammeln, damit wir am Ende des Weges eine Urkunde bekommen.

Der erste Tag war geschafft als wir um circa um 16:00 Uhr in Portomarin ankamen. Wir haben uns in der Herberge frisch gemacht und sind dann in einer kleinen Gruppe in das nahegelegene Schwimmbad gegangen. Dort konnten wir noch einmal die schöne Abendsonne genießen.

Zum Abendessen haben wir einen kleinen Spaziergang durch die Stadt gemacht und haben uns auch die Kirche des Dorfes angeschaut. Mir persönlich hat das Dorf sehr gut gefallen. Nach dem Abendessen durften wir nochmal bis 22:00 Uhr draußen sein. In der Nacht war dort die Johannisnacht welche mit einem großen Feuer um Mitternacht gefeiert wurde. Leider konnten wir es nicht sehen, da unsere Herberge um die Uhrzeit schon geschlossen hatte. Dennoch hatten wir einen schönen Abend. Wir sind wieder in einer diesmal etwas größeren Gruppe durch den Ort und haben zusammen am Brunnen gesessen und Geschichten erzählt. Auch die Nacht war sehr angenehm und es war eine schöne Herberge.

Alles in allem war es ein sehr schöner erster Tag. (Jana Roth)


2.Tag
Am Samstag, unserem zweiten richtigen Tag in Spanien, lag mit 25 km die längste Strecke vor uns. Da viele vom Vortag noch erschöpft waren und sich auch schon die ersten Blasen gebildet hatten, fiel das Wandern, obwohl wir unser schweres Gepäck nicht tragen mussten, zuerst etwas schwer. Nach etwa der Hälfte der Strecke hatten wir einen Treffpunkt vereinbart, an dem wir einkehrten bis die ganze Gruppe wieder beisammen war, nachdem sich kleine Grüppchen über die Kilometer verteilt hatten und jeder in seinem Tempo lief. Mit neuer Energie ging es dann weiter bis nach Mélide, wo unsere Jugendherberge war. Nach der langen Wanderung waren alle froh, endlich angekommen zu sein. Den Abend sowie das Essen durften wir frei gestalten, also spielten wir noch gemeinsam Pantomime. Letztendlich war es zwar ein sehr anstrengender Tag für uns alle, aber dennoch ein sehr schöner, an dem die Gruppe langsam anfing zusammenzuwachsen. (Clara Freiding)

3. Tag, 25.06.2017 – Sonntag
Am dritten Tag wanderten wir 11 Km von Mélide nach Ribadiso. Morgens kauften wir noch Zutaten für das Essen ein, dann liefen wir los.

Als wir alle nacheinander ankamen legten wir uns alle an den Fluss und gingen baden. Dort hielten wir uns einige Zeit auf, bis wir einer nach dem anderen in die Herberge gingen.

In der Herberge spielten wir Gruppenspiele und einige kochten für die Gruppe. Danach teilte sich die Gruppe auf bis zur Bettruhe. Es war ein großer Schlafraum, in dem wir mit allen Pilgern schliefen. (Freya Steinmetz)

4. Tag – Von Ribadiso über Arzúa nach Pedrouzo
Der vierte Tag und somit auch der vorletzte Wandertag steht bevor. Unsere Beine haben sich langsam an den Schmerz gewöhnt und die ganze Truppe ist bereit 22km zu wandern. Doch zuerst haben alle Hunger und müssen sich an einem schönen Frühstück stärken. Wir wandern 3km in die nächste Ortschaft, Arzúa, um dort gemeinsam Spiegeleier und Orangensaft zu essen/trinken. Nach dem herzhaften Frühstück sind alle bereit den Rest der vierten Etappe zu laufen.

Wie immer wandern wir durch eine wunderschöne Naturlandschaft und kleinen Dörfer, mit freundlichen Bewohnern, die einen herzlich grüßen.

Nach 11km macht die Gruppe eine Pause um sich wieder mit seinem mitgebrachten lunch zu stärken. Doch ehe man sich versieht steht man wieder auf den Beinen und läuft den Camino entlang. Kurz vor unserer Herberge machen wir einen Halt und legen uns ins Gras um uns ein wenig auszuruhen. Wir genießen die friedliche Ruhe und müssen uns zwingen, die letzten drei Kilometer zu wandern. Der weite Weg hat sich gelohnt, da wir zur Belohnung in großen Appartements schlafen dürfen. Jeder hat sein eigenes Bett und es sind mehrere Zimmer mit eigenem Fernseher. Doch bevor wir schlafen gehen, möchten wir noch etwas zu Abend essen. In einem Restaurant essen wir ein sogenanntes „Pilgermenü“, ein einfaches Dreigänge-Menü für einen guten Preis. Mit unserem vollen Magen machen wir noch einen Verdauungsspaziergang und erkunden das kleine Örtchen.

Nach dem langen Tag ist dann jeder froh, wenn er in seinem gemütlichen Bettchen schlafen kann um sich für den morgigen Tag fit zu machen.


5. Tag - nach Santiago de Compostela - der letzte Tag der Wanderung:
Diesmal war das Aufstehen aus dem frisch gemachten Bett um einiges schwerer als an den anderen Tagen, da wir ja in der Pension übernachten durften. Allerdings konnten wir uns mit der Energie eines so guten Schlafes gut auf den letzten Abschnitt unserer Wanderung begeben.

Um 8 Uhr haben wir uns in einer Bar zum Frühstück getroffen, was an diesem Morgen meiner Meinung nach sehr gut war. Es gab dieses Mal Ei und andere leckere Sachen. Nach dem Frühstück haben wir uns mit unserer kompletten Wanderausrüstung an den Startpunkt des heutigen Abschnitts begeben und besprochen, wie es heute weitergeht. Als Treffpunkt wurde der Monte de Gozo ausgesucht. Er ist der Abschlusspunkt für alle Pilger und die Stelle, an der man die Last der Reise ablegt. Danach geht es nur noch runter in die Stadt, bis zur Kirche sind es dann noch ein bis zwei Kilometer.

Herr Immerheiser und ich bildeten diesmal die Spitze, doch nach einem Kilometer hatte ich das Gefühl, den letzten Weg allein gehen zu müssen. Aus diesem Grund habe ich die anderen schnell mal abgehängt und bin voraus gegangen. Die Strecke war dieses Mal besonders schön, ich konnte mir die Landschaft genau ansehen, habe das Laufen genossen und wurde im Vergleich zu den anderen Tagen auch nicht müde. Gegen Ende der Strecke wurde der Weg ein bisschen einseitig, da es die ganze Zeit nur geradeaus ging. Es strapazierte die Motivation und den Willen, es endlich hinter sich zu bringen. Am Ende erreichte ich dann Monte de Gozo und lief hoch zum Denkmal, um ein kleines Gebet für unsere Reisegruppe und meine besten Freunde in Deutschland zu sprechen. Nach dem Gebet setzte ich mich auf eine Bank und wartete. ...

Nach 1 Stunde und 10 Minuten waren schließlich alle angekommen und wir machten eine Mittagspause in der wir unseren Proviant teilten, sodass jeder etwas davon etwas abbekam. Als die ersten ankamen hat es angefangen zu regnen, zum ersten Mal während unserer Wanderung. Und wie es geregnet hat - „Halleluja!“. Nach einer schnellen Essenspause haben wir uns auf den Weg zur Kirche / zum Pilgerbüro gemacht, um unsere Urkunden abzuholen. Jeder hat eine bekommen außer ich, weil ich meinen Pass aus lauter Begeisterung für die Sandwiches in der Auslage in einer Bar hatte liegen lassen (ich habe später dann doch noch eine bekommen - „Glück gehabt“).

Danach haben wir uns alle auf den Weg zur Jugendherberge gemacht, in welcher wir die nächsten zwwei Nächte schlafen sollten. Auf den ersten Blick sah sie aus wie ein Mix aus altem Krankenhaus/Gefängnis und einer Burg, aber von innen war sie eigentlich nicht weniger schön als die anderen Herbergen, in denen wir übernachtet hatten. Alle haben sich nach und nach geduscht und schlafen gelegt, weil sie von der langen Reise erschöpft waren. Julian jedoch und ich wir waren neugierig und wollten die Stadt erkunden. Bei unserer Erkundungstour haben wir einen vielversprechenden Laden gesehen, in dem wir später essen gehen wollten. Aber vorerst haben wir erstmal unsere Orientierung verbessert und haben uns zurück zur Herberge begeben, in der alle noch geschlafen haben, obwohl wir uns in einer halben Stunde schon für den Pilgergottesdienst treffen wollten. Als dann alle unten waren, um zum Gottesdienst zu gehen, waren die meisten wieder wach und fit. Wir schlenderten durch die schönen kleinen Gassen Santiagos zur Kirche und setzten uns in die Kathedrale. Als man drinnen angefangen hatte, sich ein bisschen umzuschauen, hat man viele bekannte Gesichter von der Reise gesehen, und man hat finalmente realisiert: man hat es geschafft! Der Gottesdienst war beeindruckend und die Kirche war sehr schön, nur hat man sehr wenig verstanden, wegen des starken Akzents. Nach dem Gottesdienst sind dann meine Freunde und ich in den Burgerladen gegangen, den Julian und ich vorher ausgesucht hatten. Der Burger war ausgezeichnet und hat uns allen den Rest gegeben, jetzt hieß es nur noch ab ins Bett und Schlafen! (Maxim Seth)

Bericht zur gesamten Woche
Unsere Sprachreise begann am Donnerstag, den 22. Juni am Flughafen Frankfurt Hahn. Von dort startete unser Flieger nach Santiago, wo wir gegen halb 10 Uhr abends ankamen. Ziel unserer Reise war es, die letzten 100 km des Jakobwegs zu laufen, dabei mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen, Spanisch zu sprechen und sich auszutauschen. Um diese 100 km zu gehen, wurden wir noch am ersten Abend nach Sarria, (unserem Startort) gefahren. Von dort führte unser Weg nach Portomarin und über Mélide, Rabadiso und Pedrouzo bis hin nach Santiago. Wir sind durchschnittlich 20 km pro Tag gelaufen.

Die Menschen, die diesen Weg wandern, haben die unterschiedlichsten Gründe dafür. Unsere Erwartungen und Wünsche an die fünf Tage waren auch sehr
unterschiedlich. Wenige Gründe waren religiös geprägt, viele wollten sich selbst etwas beweisen oder waren rein aus Interesse an etwas Neuem motiviert.

Dieser Weg erfordert viel Kraft. Das hat bereits nach einem Tag auch unsere Gruppe festgestellt. Mit dem Gepäck auf dem Rücken wanderten wir fast 22 km, was zu Muskelkater und einigen Druckstellen und Blasen führte. Die folgenden Tage bestand die Möglichkeit, das Gepäck für nur wenige Euro abzugeben, damit es zur nächsten Herberge transportiert wurde. Allerdings wurde diese Möglichkeit nur von wenigen beansprucht.

Unsere Unterkünfte waren von Tag zu Tag verschieden. Oft schliefen wir in Gemeinschaftsräumen die bis zu 40 Betten hatten. Nicht immer wurden Jungen und Mädchen getrennt. Noch seltener kam es vor, dass die Jungen oder Mädchen nochmal in kleinere Gruppen geteilt wurden. Mit dieser Erfahrung konnten wir das Leben echter Pilger besser kennenlernen.

Trotz des engen Zusammenlebens verlief die komplette Woche außerordentlich entspannt. Wir fanden uns schnell mit dem fehlenden Luxus ab und gaben uns mit einer funktionierenden, warmen Dusche und einem einfachen Bett zufrieden.

An dem Tag, an dem wir Santiago erreichten, waren wir alle sehr erschöpft, aber auch stolz auf uns. Wir hielten uns an den Händen und sangen ein Lied bei
unserem Einzug. Jeder von uns errichtete sein individuelles Ziel, erhielt seine ganz persönliche Pilgerurkunde und nahm viele Erfahrungen und Erinnerungen mit nach Hause. (Charlotte Ferrer-Gil) 

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